Martin Voigt - Hyperborea

Vom 12.März bis 12.Juni 2022

Panorama Museum Bad Frankenhausen

Panorama Museum

Am Schlachtberg 9
06567 Bad Frankenhausen

www.panorama-museum.de

Öffnungszeiten:
Di. bis So. 10 – 17 Uhr
Feiertags geöffnet.

Die Werkschau des 1990 in Leipzig geborenen Künstlers umfasst 125 Exponate, allein aus dem Schaffenszeitraum von 2014 – 2021. Der gelernte Steinmetz, bis 2013 als freiberuflicher Bildhauer tätig, entschied sich in jenem Jahr für ein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, das er in der Fachklasse für Malerei/Grafik bei Prof. Annette Schröter 2018 mit Diplom abschloss. So befinden sich in der Ausstellung neuste Werke aus dem letzten Jahr, aber auch Arbeiten aus der Studienzeit.

Martin Voigts bevorzugte Genres sind die Landschaft und das Stillleben, die er mit gekonnt altmeisterlicher Formensprache umzusetzen weiß. Er schafft intime Räume, fernab jeder Urbanität, denen er eine unaussprechliche Stille einhaucht, die bisweilen schon Vergänglichkeit atmet. Unberührte, in Nebel gehüllte Landschaften, in denen entlaubte, entwurzelte, geknickte Bäume und abgestorbene, mit Parasiten befallene Geäste die Ursprünglichkeit der Natur vergegenwärtigen. Zwar zeugen ganz vereinzelte Spuren wie eine umgestürzte Kanzel oder ein erlegtes Wild von Zivilisation, jedoch vermögen diese nicht die Ruhe und Einsamkeit dieser Bilderwelten zu zerstören.

Stellten sich so antike griechische Geografen das sagenhafte Land „Hyperborea“ vor? Oder finden wir eher mit Nietzsche Zugang zu den Bildwelten von Martin Voigt? Dieser nutzte 1888 die „Hyperboreer“ in seiner Schrift „Der Antichrist“ (Fluch auf das Christentum, Kapitel 1), um sich als „Unzeitgemäßer“ jenseits der modernen Gesellschaft zu verorten.

Hyperborea apostrophiert einen mythischen Sehnsuchtsort als ideales Refugium unbeschwerter Existenz und Kunstübung, bei dem Phantasie und Wirklichkeit verschmelzen, Imaginationen glaubhaft werden und Reales sich verwandelt. Deshalb auch, und weil ihn die archaische Nordlandschaft in ihrer magischen Ursprünglichkeit nicht nur fesselt und fasziniert, sondern zur Metapher seines Strebens wird, präsentiert Martin Voigt die erste große Museumsschau seines noch jungen Schaffens unter dem Titel dieser paradiesischen Urheimat des Menschen, die für das Wesen seiner künstlerischen Weltvorstellungen als Ganzes steht, für die Gesamtheit seiner bildphilosophischen Manifestationen von der Landschaft über das Antlitz des Menschen bis zu ikonischen Objekten, die sich als Stillleben von überwältigender Schönheit und Morbidezza zeigen. Man geht gewiss nicht fehl, darin auch einen Wiedergewinn des Mythos, einer mythischen Heimat zu sehen, deren Verlust Nietzsche in seiner Geburt der Tragödie einst so beklagt hat. (Gerd Lindner)